Meisterprüfung

LI Niedersachsen

Meisterwissen bedeutet Mehrwert

„Für die Handwerkskammer Hannover ist es etwas Besonderes, wenn die
Meisterprüflinge des Gebäudereiniger-Handwerks hier ihre Arbeitsprobe umsetzen“,
freute sich Gerhard Kirschnik im letzten April. Er ist als Mitarbeiter der HWK
Hannover zuständig für den Bereich Haus- und Grundstücksverwaltung. Die Pflege der
Außenbeschattungsanlagen, Spiegeldecke inklusive Leuchten im großen Festsaal, die
Kristallisation des Marmorbodens im Eingangsbereich und die Reinigung von Stühlen
standen auf dem Tagesplan für eine prüfungswillige Gesellin und sieben Gesellen.
„Alles hervorragend ausgeführt. Besonders die Außenjalousien hatten die Reinigung
dringend nötig“, lobte Kirschnik das fleißige Meisterschüler-Team.

Die Teilnehmer hatten sich auf die Arbeitsprobe gut vorbereitet. Alles musste
schließlich innerhalb von acht Stunden nach genauen Zeitvorgaben erledigt werden.
Bereits ein paar Tage vorher hatten sie ihr Meisterstück in der BBS III Hannover
abgeliefert. Objekte der Reinigungsaufgaben waren die 75 Quadratmeter großen
Klassenräume, der textile Bodenbelag und die Sanitäranlagen. „Interessant waren
alle Bereiche in der 35 Jahre alten Schule. Schwierig, um ein vernünftiges,
meisterliches Gesamtbild in der vorgegebenen Zeit abzuliefern“, betonte Kai-Uwe
Wietjes, einer der Prüflinge. Eine Menge starker und unterschiedlicher
Verschmutzungen mussten entfernt werden.

Praxis zeigt: Kunden wünschen Meisterqualität

Kai-Uwe Wietjes lernt fleißig für Teil III und IV der Prüfungen, im Juli ist er
voraussichtlich fertig. Für den jungen Gesellen aus Celle ist der Meisterbrief ein
wichtiges Markenzeichen. Bereits seine Ausbildung absolvierte er im väterlichen
Betrieb – immerhin mit Auszeichnung - und lernte alle Facetten des Handwerks
kennen. Für mehr als 30 Menschen bietet das Reinigungsunternehmen Arbeit. Vater
Uwe gründete den Betrieb vor elf Jahren, seit zehn Jahren ist Sohn Kai-Uwe mit
dabei. Ein Familienunternehmen - hier heißt es „einer für alle, alle für einen“ –
so der Junior, der die Branche von der Pieke auf gelernt hat. Der Sohn des
Firmenchefs schreibt Angebote, richtet Objekte ein, ist zuständig für die
Objektkontrolle, Arbeitsplanung, leitet die Glas-, Grund- und Sonderreinigungen,
erledigt Büroarbeiten und vertritt seinen Vater, wenn es nötig ist. „Ich bin eine
Mischung aus Facharbeiter, Objekt-, Bereichs- und Niederlassungsleiter“, betont
Kai-Uwe Wietjes. Aufgaben, die ein hohes Ausbildungsniveau bedingen. „Ich werde
den Betrieb eines Tages gerne übernehmen. Mir ist es wichtig, dass ich die Arbeit
meines Vater weiterführen kann.“ Der angehende Meister ist sich seiner Sache
sicher, „denn diese Entscheidung beruht nicht auf Zwang, sondern ist meine eigene
Entscheidung“. Der Beruf wird immer wichtiger im täglichen Leben, und das
Dienstleistungsspektrum ist breit gefächert – so Wietjes. „Unser Handwerk hat sich
in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit positiv präsentiert, und der einfache
Putzer hat sich zum Reinigungsfachmann gewandelt.“

In fünf Jahren möchte Wietjes hauptsächlich die Organisation und Leitung des
Betriebes, sowie „in zehn Jahren die Firma übernehmen“, so der zielstrebige junge
Mann. Eine Station auf seinem Weg ist es, in einem großen Unternehmen zu arbeiten
und sich für die Zukunft gut zu rüsten. Es geht auch um neue
Reinigungstechnologien, um Werterhaltung– also um „reinigen, pflegen, schützen“ in
modernster Manier. Erst der Blick über den Tellerrand, und dann eigene Ideen im
Familienbetrieb umsetzen. „Man muss am Ball bleiben. Denn wer nicht mit der Zeit
geht, geht mit der Zeit!“ – lautet Kai-Uwe Wietjes Motto.

Seit September 2008 lernen Kai-Uwe Wietjes und seine Seminarkollegen beim
Bildungswerk Niedersachsen der Gebäudereiniger e.V. (BWNG) in Hannover im
Blockunterricht für den Meisterbrief. Es sind sechs Module, die jeweils eine Woche
Vollzeitunterricht mit insgesamt 300 Stunden füllen. Werkstoffkunde,
Fachtechnologie, Kalkulation, Auftragsbearbeitung, Schutzbestimmungen, Natur- und
Kunststeine und deren Bearbeitung ebenso wie Chemie und Fachrechnen stehen auf dem
prallgefüllten Stundenplan.

Zulieferfirmen sponsern Weiterbildung

Bei der Arbeitsprobe in der Handwerkskammer kamen zwei 12-Meter-
Elektroscherenbühnen zum Einsatz. Höhentauglichkeit wird in diesem Gewerk
bekanntlich vorausgesetzt, und nach einer kurzen Einweisung konnten die
Außenbeschattungsanlagen aus eloxierten Aluminiumlamellen gereinigt werden.

„Ohne das große Engagement einiger Zulieferfirmen während der Seminare und der
Meisterprüfung hätten wir die anspruchsvollen Bereiche nicht bearbeiten können“,
bedankte sich Marion Presek-Haster. Sie ist Lehrlingswartin der Landesinnung und
sitzt im Meisterprüfungsausschuss. Wieder einmal beteiligten sich die
Zulieferfirmen aus dem Maschinen- und Reinigungschemie-Bereich Gustav Bertram,
Arbeitsbühnen-Vermietservice GmbH, G. Staehle GmbH u. Co. KG columbus
Reinigungsmaschinen und Johannes Kiehl KG.

Lebenslanges Lernen

Eine Menge Wissen in komprimierter Form wird durch Meister des Handwerks
vermittelt. Zum Dozententeam gehört auch Michael Schuchmann. Er ist
stellvertretender Vorsitzender der Landesinnung Niedersachsen. Gemeinsam mit
weiteren Kollegen gründete er 1992 das Bildungswerk Niedersachsen der
Gebäudereiniger, das sich das Motto „lebenslanges Lernen“ auf die Fahnen
geschrieben hat. „Besonders diese Branche muss sich ständig über aktuelle
Änderungen, wie beispielsweise über neue Rechtsvorschriften, über neue Chemikalien
oder Materialien informieren“, erzählt der Vorsitzende des
Meisterprüfungsausschusses und Geschäftsführer der Landesinnung in Hannover, RA
Burkhard Räcker. „Das BWNG bietet Weiterbildung auf hohem Niveau. Dazu zählen
beispielsweise Kompaktseminare im Arbeitsrecht, PR und Öffentlichkeitsarbeit,
Kundendarstellung, Kundenakquise ebenso wie Tarifrecht und Arbeitnehmer-
Entsendegesetz sowie Inhouse-Schulungen.“

Bis zum 14. August 2009 können sich Interessierte für den Vorbereitungslehrgang
auf die Meisterprüfung beim BWNG in Hannover anmelden. Am 14. September 2009
startet der neue Lehrgang.

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Handwerkskammer Hannover bietet Flächen für die Arbeitsprobe in der
Meisterprüfung. Auf der Elektroscherenbühne von links: RA Burkhard Räcker,
Geschäftsführer der LI Nds. und Vorsitzender der Meisterprüfungskommission; Marion
Presek-Haster, Lehrlingswartin und Mitglied der Meisterprüfungskommission; Marc
Bunse, Gustav Bertram, Arbeitsbühnen-Vermietservice GmbH. Von links vorne unten:
Meisterschüler Tobias Schwebs und Ismayil Kocakülak, mit Anke Helm, Stefan Mantei
und Michael Schuchmann aus der Meisterprüfungskommission; Manfred Buttke, G.
Staehle GmbH u. Co. KG columbus Reinigungsmaschinen; sowie die Prüflinge Jutta
Ickert, Kai-Uwe Wietjes, Florian Pape, Alexander Vielkind, Uwe Rayzik und Mirco
Hansen.

Streifenfreie Klarsicht: Mirco Hansen, cleanik service GmbH & Co., Wunstorf,
reinigt die Spiegeldecke im Festsaal der HWK Hannover.
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bildq04.jpg Selbst die kleinste Verschmutzung entgeht ihm nicht: Meisterschüler Kai-Uwe
Wietjes von der Uwe Wietjes Gebäudereinigung aus Celle.

Stefan Mantei (re.) ist Mitglied der Meisterprüfungskommission. Meisterblick auf
die Marmorgrundreinigung des Prüflings Mirco Hansen (li.) von cleanik service GmbH
& Co. aus Wunstorf.
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bildq06.jpg Außenjalousiereinigung mit der Elektroscherenbühne: Handwerkskammer Hannover
erstrahlt in neuem Licht – passend zur Ausstellung „Lichtspiele“.

Meisterschüler Kai-Uwe Wietjes reinigt nach der Außenjalousie auch das Fenster. bildq03.jpg

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bildq07.jpg Marion Presek-Haster zeigt Gerhard Kirschnik, Mitarbeiter der HWK Hannover und
zuständig für den Bereich Haus- und Grundstücksverwaltung, die Ergebnisse der
Arbeitsprobe ihrer Meisterschüler.

[Text & Fotos: Ira Thorsting]